Herkunft und Geschichte der Tätowierung

Herkunft und Geschichte der Tätowierung

Tätowierungen (umgangssprachlich auch als „Tattoo“ bezeichnet) sind in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. Wo aber liegen ihre Wurzeln?

Der Ursprung des Wortes liegt im polynesischen „tatau“ für „Zeichen“, was das Einritzen oder Einstechen von Symbolen in die Haut bedeutet. Daraus leitet sich der wissenschaftliche Begriff Tatauierung ab, aus dem dann das gebräuchliche Wort „Tätowierung“ wurde.

Die wohl ältesten Tattoos fanden sich auf etwa 7000 Jahre alten Mumien in Chile, auf deren Händen und Füßen Zeichen gefunden wurden. Wesentlich bekannter sind die Tätowierungen des berühmten Steinzeitmenschen Ötzi, der vor 5000 Jahren in den italienischen Alpen lebte. Bei ihm wurden unter anderem eine Reihe paralleler Linien auf der unteren Wirbelsäule und ein Kreuz hinter dem rechten Knie gefunden. Wahrscheinlich dienten Tattoos den Menschen der Steinzeit zum Erschrecken und Einschüchtern von Feinden sowie zum Ausführen ritueller Handlungen. Die etwas später in der Eisenzeit lebenden Skythen, ein Reitervolk aus der russischen Steppe und dem Kaukasus, hatten wahrscheinlich die gleichen Gründe zur Nutzung von Tätowierungen. Es gibt jedoch keine durchgängige Tradition von Tätowierungen, die sich nahtlos bis in die Antike nachweisen lässt. Und selbst wenn es eine gegeben hätte, wäre sie durch das aufkommende Christentum stark gebremst worden. Im frühen Christentum und dem gesamten Mittelalter finden sich bis auf ganz wenige Ausnahmen keine tätowierten Personen. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Bibel, denn im 3. Buch Moses heißt es: „geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen.“

Vor allem bei den Ureinwohnern der im Pazifik gelegenen polynesischen Inseln haben tätowierte Körperstellen eine bedeutende Rolle für ihre rituellen Handlungen gespielt. Auch Formen des Piercings wie durchstochene Ohren oder Lippen tauchten bei ihnen auf. Ohne die Entdeckungsreisen von Tasman und Cook im Zeitraum von 1750 bis 1800 wären Tätowierungen und Piercings in Europa nicht so schnell bekannt geworden. Es waren aber nicht nur die Erzählungen von Seefahrern, die das Wesen und den Begriff der Tätowierung in Europa verbreiteten. Vor allem auch die Auftritte von tätowierten Polynesiern in Paris 1768 und in London 1775 faszinierten mit ihrem exotischen Charakter die bürgerlichen Gesellschaftsschichten. Das wiederum war der Ausgangspunkt für eine eigene europäische und amerikanische Tradition.

 

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