Warum glauben wir, Deutschland baut die besten Autos?

Wenn wir Pech haben, müssen wir uns diese Frage tatsächlich demnächst ernsthaft stellen, Kalifornien ist angetreten, die Autowelt auf den Kopf zu stellen. Soeben hat man die ersten acht Modelle an eine begeistert wartende Kundschaft ausgeliefert. Jetzt wartet die ganze Welt darauf, ob diese Elektrolimousine die Autowelt auf den Kopf stellen wird. Schließlich ist der Markt an Kunden, die Limousine kaufen, gigantisch. George Blankenship, Vizepräsident eines Autokonzerns in den USA wartet dagegen nicht. Er ist von der Erfolgsgeschichte des neuesten Models überzeugt: „Wir werden keine Werbung schalten, denn unser Auto verkauft sich von allein. Es ist das beste Auto der Welt!“ erklärt Blankenship. Nun gibt es drei Möglichkeiten: Deutschland baut doch nicht die besten Autos, Blankenship ist größenwahnsinnig – oder Kalifornien liegt in Deutschland. Man wird sehen!

Drei Jahre mussten die neuen Besitzer auf die Auslieferung im kalifornischen Fremont, dem Firmensitz, warten. Das ist immerhin nur die Hälfte der Zeit, die man vor Jahrzehnten schon auf ein ähnlich revolutionäres Auto warten musste: den Trabant, im Volksmund Trabbi genannt. Das erste Vollplastikauto der Welt, ebenfalls eine technische Revolution und jeder, der ihn endlich erhielt war erleichtert und stolz. Damit enden dann aber auch die Parallelen. Sieben Personen haben in der 2.100 kg schweren Limousine Platz, die ausschließlich mit Strom angetrieben wird. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h und einem 416 PS starken Motor, einer gut abgestimmten Fahrdynamik sowie einer Vielzahl technischer Finessen ist er den Fahrzeugen mit ordinärem Benzinantrieb durchaus ebenbürtig. Er mag sich beispielsweise in Feinheiten vom Infiniti FX30d grundsätzlich unterscheiden, aber beide bieten eine Menge Komfort und stehen sich in Nichts nach. Dass war das, was der Chef von Tesla, Elon Musk, auch erreichen wollte. „Jeder winkt ab wenn er das Wort „Elektroauto“ hört und glaubt, es sei die Rede von einem langweiligen kleinen Schleicher mit einem Radius, der einem Rasenmäher ähnelt. Wir möchten den Kunden die Illusion nehmen, Elektroautos seien die Schlechteren.“ Er setzt sogar noch einen drauf: „Von der Performance her haben wir das Ziel, Fahrzeuge wie eine große Limousine oder ein sportliches Fahrzeug zu schlagen.“

Innerhalb von 4,5 Sekunden sprintet der Neue aus dem Stand auf Tempo 100, vollkommen lautlos und mit boshaft lächelndem Fahrer. Die immense Antriebskraft wird durch die Traktionskontrolle dauerhaft überwacht und geregelt. Ein 17-Zoll-Monitor, hochkant in der Mittelkonsole eingebaut, sorgt für schnaufendes Staunen und das Gefühl, irgendetwas an diesem Monitor einstellen zu müssen. Anders als das Model X aus Amerika, das sowohl mit Hinterrad- als auch mit Allradantrieb lieferbar sein wird, gibt es die S-Version vorerst nur mit Heckantrieb. Beim Hersteller ist man der Meinung, man sei technisch den Mitbewerbern, wie beispielsweise einem Auto aus Deutschland, um etwa 10 Jahre voraus. Das Auto der Zukunft ist in der kleinsten Version ab 49.900 Dollar zu haben, Cabrios sind derzeit noch nicht vorgesehen. Schaut man etwas genauer hin, erkennt man jedoch durchaus auch Schwächen im besten Auto der Welt. Die Lenkung lässt sich verändern, ist jedoch auch im sportlichsten Modus noch einigermaßen ungenau. Da ist die Lenkung des um 10 Jahre rückständigeren Fahrzeugs aus Deutschland erheblich präziser. Die im Unterboden eingebaute Batterie sorgt für einen tiefen Schwerpunkt und ermöglicht das problemlose heizen durch die Kurven, trotz ungenauer Lenkung. Die Bremsen tun das was sie sollen, wären aber noch besser, wenn sie härter zupacken würden.

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